Generative Engine Optimization (GEO) wird mit dem AI von Google und den Shopping-Funktionen von ChatGPT zur Realität - dieser Artikel zeigt auf, wie sich Werbung, SEO und Affiliate-Marketing anpassen müssen.
Die Tatsache, dass AI und LLM-Chatbots die Art und Weise verändern, wie Menschen online nach Produkten und Geschäften suchen, ist schon seit geraumer Zeit offensichtlich, und auch wenn die Zahlen im Vergleich zu herkömmlichen Suchen noch recht gering sind, zeigen Analysen stetig steigende Nutzungszahlen für Bots bei produktbezogenen Suchen.
Viele Details der "neuen Suchwelt" blieben jedoch bis zuletzt unklar, darunter auch die Frage, wie wir als Werbetreibende und Agenturen konkret auf die neue Situation reagieren sollten. Der Begriff "Generative Engine Optimization" (GEO) hat sich als neue Disziplin im digitalen Marketing herauskristallisiert - allerdings ohne viel über die spezifischen Merkmale dieser Disziplin zu wissen.
Das hat sich seit Ende April und insbesondere mit GoogleIO in der vorletzten Maiwoche geändert, und das Bild ist viel konkreter geworden.
Aus der Sicht des Nutzers: AI zuerst
Im April 2025 begann OpenAI mit der Integration von spezifischen Shop- oder Produktempfehlungen in entsprechende Chatverläufe in ChatGPT. Dazu gehören auch direkte Links zu empfohlenen Geschäften oder ein Preisvergleich direkt als Teil des Chats.
Bild. 1 - Produktempfehlungen inkl. Preisvergleich bei ChatGPT, Quelle
Auf der GoogleIO 2025 hat Alphabet nun bekannt gegeben, wie es mit dem Thema auf seinen Plattformen, d.h. vor allem der Google-Suche und innerhalb von Gemini, weitergehen wird:
- "AI " in der Google-Suche: Auch ohne Gemini speziell zu öffnen, können Nutzer komplexe und konversationelle Suchen direkt auf google.com starten und erhalten AI Antworten. Dazu gehören auch Produkt- und Shopping-Empfehlungen.
- Im AI und unter den AI , die bereits in vielen "klassischen" Google-Suchen erscheinen, wird Google bezahlte Anzeigen integrieren.
- Vor allem im Bereich der Mode erweitert Google die Möglichkeiten, direkt in der Suche zu werben: Mit Hilfe von AI und einem Foto können Nutzerinnen und Nutzer Kleidungsstücke virtuell anprobieren, um das passende Stück zu finden und dann direkt in das entsprechende Geschäft zu gehen.
Bild. 2 - Live-Demo der neuen "Anprobefunktion" auf der GoogleIO 2025, Quelle
Die Nutzer müssen sich also nicht mehr aktiv für eine Suche mit AI entscheiden, sondern die gewohnte Google-Suchumgebung wird noch stärker als bisher AI einsetzen, um Produkt- und Shopping-Empfehlungen zu generieren.
Aus der Sicht der Werbetreibenden: Alles neu? Offensichtlich nicht!
Aus den Informationen, die in den letzten Tagen und Wochen bekannt geworden sind, ergibt sich ein vertrautes Bild: In der neuen Welt des AI werden wir uns auch mit organischen Ergebnissen und bezahlten Platzierungen auseinandersetzen müssen.
Organische Ergebnisse sind solche, bei denen das jeweilige LLM auf der Grundlage der online verfügbaren data zu dem Schluss kommt, dass unsere Dienstleistung oder unser Produkt den mit dem Nutzer besprochenen Anwendungsfall tatsächlich am besten repräsentiert. Also: Nach dem "Wissen" des Chatbots passt unser Trampolin am besten zu den Anforderungen aus dem Chatverlauf, unser Handytarif ist der günstigste für das oben skizzierte Nutzerverhalten.
Und über Paid Ads erscheint unser Angebot in AI Suchergebnissen wie AI Overviews, wenn die Gebote und Einstellungen im jeweiligen Merchant Center des Anbieters zum Thema des Chats passen.
Im Prinzip handelt es sich um die gleiche Aufteilung, wie wir sie seit Jahrzehnten im Zusammenhang mit den Suchergebnisseiten der bekannten Suchmaschinen kennen.
Die üblichen Werkzeuge...
Die Vertrautheit setzt sich vorerst fort: Um organische Rankings innerhalb der AI Antworten zu erreichen, ist es wichtig, alle Informationen über die Marke, das Geschäft und das Produkt im öffentlich zugänglichen Internet so detailliert und robotisch verständlich wie möglich zu machen. Die Grundsätze der SEO gelten also auch für GEO. Die eigene Website, der eigene Online-Shop bleibt (zumindest derzeit) eine unverzichtbare data , auf der Informationen detailliert, strukturiert und leicht lesbar bereitgestellt werden müssen. Auch Off-Page-Kriterien sind von großer Bedeutung, allen voran natürlich Nutzerbewertungen und reports etc.
Die Arbeit mit data bleibt ebenfalls äußerst wichtig - und das nicht nur im Modesektor. ChatGPT ist dabei, ein Merchant Center einzuführen, über das Online-Händler ihre Feeds dem Chatbot zur Verfügung stellen können (derzeit im Beta-Test für den US-Markt). Dies bedeutet, dass spezifische Produktinformationen direkt gespeichert werden können, und Geschäfte, die diese data bereitstellen, werden sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen haben, die dies noch nicht tun. Auch die oben beschriebene neue "Try on"-Funktion in Google Shopping wird von erstklassigen data profitieren. Es ist davon auszugehen, dass Google in Kürze Anforderungen an die Feeds kommunizieren wird, die dann schnell erfüllt werden müssen. Die Anwendungen sind also neu, nicht aber der data als Träger dieser neuen Features.
Und jetzt kommen bezahlte Anzeigen ins Spiel - zunächst mit Google. OpenAI hat noch keine Angaben dazu gemacht, ob es auch in ChatGPT klar definierte "bezahlte Ergebnisse" geben wird. Es ist aber in der Tat schwer vorstellbar, dass diese Einnahmequelle und bewährte Methode der Monetarisierung dauerhaft aufgegeben werden soll. Und natürlich ist es eine bewährte Methode, nämlich SEA. Google hat bestätigt, dass die bezahlten Platzierungen in den AI über GoogleAds gebucht und gesteuert werden können; sie werden Teil der bestehenden Anzeigenorganisation und -optimierung.
Bild. 3 - Gesponserte Anzeigen unter einer AI auf Google zum Thema "Transport von Hunden in Flugzeugen", Quelle
Oberflächlich betrachtet, bleibt es das bekannte Spielfeld von SEA und SEO und allem, was dazu gehört.
... aber viele neue Regeln
Sobald wir jedoch ins Detail gehen, werden wir mit einer Menge neuer Funktionen konfrontiert.
ChatGPT durchsucht das Web mit einem eigenen Suchbot, nutzt aber auch data u.a. von Bing - kein Wunder, denn Microsoft ist ein großer Investor in OpenAI. Besonders interessant ist dabei, dass nicht nur die organische Sichtbarkeit auf Bing eine Rolle spielt, sondern auch bezahlte Platzierungen auf Bing und im Microsoft-Universum den Bot auf relevante Informationen lenken und so die Relevanz bei Produktempfehlungen beeinflussen können.
SEO und auch SEA in Bezug auf Bing bekommen plötzlich eine neue Bedeutung, zusätzlich zu dem bestehenden direkten Einfluss auf den Traffic und die Conversions auf Ihrem eigenen Webshop.
Der ChatGPT-Suchbot (und die von anderen LLMs) lesen normalerweise kein JavaScript. Dieses und viele andere Details müssen bei der Suchmaschinenoptimierung berücksichtigt werden, wenn Sie den Bot mit sinnvollen Informationen versorgen wollen.
Interessant ist auch die wichtige Rolle von Affiliate Marketing und Affiliate Content für die organischen Treffer in den LLMs. Das liegt natürlich auf der Hand: Produktbeschreibungen, reports und Nutzerkommentare auf Preis- und Produktvergleichsportalen wie Idealo oder dem FAZ Kaufkompass, auf Blogs und Magazinen wie Chip oder Computerbild sind das perfekte Futter für die LLMs, um Angebote und Produkte noch genauer zu verstehen und die Menge der Funde gibt einen Hinweis auf die Relevanz der Marke oder des Shops. Auch hier sehen wir eine Steigerung der Relevanz des Affiliate Marketing Kanals über den direkten Einfluss auf den eigenen Online-Shop hinaus.
Abb. 4 - Analyse der am häufigsten genannten Informationsquellen in Chats mit Produktempfehlungen in ChatGPT, Quelle: OMR Keynote "Zustand des deutschen Internets", Roland Eisenbrand
Inwieweit diese neuen Faktoren letztlich die Besucherzahlen im Geschäft beeinflussen werden - insbesondere in Kombination mit den Wechselwirkungen mit den bestehenden Verkehrsströmen - wird eine der sehr spannenden Entwicklungen der nahen Zukunft sein, die es für jedes Geschäft individuell zu beobachten und bestmöglich zu steuern gilt.
Die meisten werden sich wohl vor allem mit GoogleAds beschäftigen, denn wie bereits erläutert, werden damit in Zukunft auch die Platzierungen in der AI (in Google) gesteuert. PMax wird also noch wichtiger werden, das scheint sicher. Broad-Match- und Long-Tail-Keywords werden eine neue Reihe von KPIs erhalten, an denen sie gemessen werden. Hier wird es eine Reihe von Änderungen geben.
Schlussfolgerung: Handeln Sie jetzt!
Auch wenn die Ergebnisse und Ankündigungen der letzten Wochen sicherlich nicht das Ende der Entwicklung dieses Ökosystems darstellen, so markieren sie doch einen wichtigen Wendepunkt. Zum ersten Mal sind die Shopping-Ergebnisse nun tatsächlich live oder zumindest konkret angekündigt - und nicht mehr nur etwas, das jeder erwartet. Und es gibt konkrete Informationen darüber, wie diese Rankings beeinflusst werden können.
In der kommenden Zeit gibt es viel zu lernen - frühere bewährte Verfahren werden über Bord geworfen, und neue KPIs werden in den Mittelpunkt rücken. Aber daran sind wir in diesen Disziplinen gewöhnt.
Und auch wenn die Informationen der letzten Wochen noch nicht erlauben, auf jede Detailfrage klare Antworten zu geben, sind die Prioritäten klar umrissen. Als Werbetreibender ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um zu reagieren und die Weichen u.a. in den Bereichen SEO, SEA und Affiliate Marketing zu stellen.
Unklarheiten? Sprechen Sie mit uns und unserem Team!
Wir begleiten bereits viele Kunden aktiv durch diese Veränderungen - mit fundierter Erfahrung in allen relevanten Disziplinen wie SEA, SEO, Affiliate Marketing und Feed Management - und natürlich sind data und AI Teil der DNA von Artefact. Dank unserer engen Zusammenarbeit mit allen wichtigen Plattformen sind wir immer am Puls der Zeit und können neue Anforderungen schnell in effektive Strategien umsetzen.
Lassen Sie uns einen Kaffee trinken gehen. Wir würden gerne besprechen, wie sich diese Änderungen speziell auf Ihr Unternehmen auswirken und wie wir diese aufregende neue Ära gemeinsam meistern können. Senden Sie mir eine Nachricht auf LinkedIn.

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